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Gurkenblätter und Dill

Perfekte Partner: Mischkulturen gegen Schädlinge & für mehr Ertrag

Lesezeit: 11 Minuten

Was sind Mischkulturen?

Mischkultur bedeutet, dass du verschiedene Pflanzen im Beet nebeneinander setzt. Ganz im Gegensatz zu Monokulturen, wo nur eine Pflanzenart im großen Stil angebaut wird. Beim Anbau in Mischkultur wählst du Pflanzen aus, die mit ihren Eigenschaften bestmöglich andere Pflanzen unterstützen. Das können andere Gemüsepflanzen, andere Beerensträucher, aber vor allem auch Kräuter oder Blumen sein. Im Ergebnis hat das viele Vorteile.

Erdbeeren und Knoblauch ergeben eine prima Mischkultur

Diese Vorteile bringen Mischkulturen

  1. Deine Pflanzen gedeihen besser durch Synergieeffekte
  2. Pflanzenkrankheiten, Pilze und Schädlinge werden abgehalten, sodass du keine chemischen Gifte brauchst.
  3. Würzpflanzen als Nachbarn bringen mehr Geschmack
  4. Mischkulturen helfen Platz zu sparen und sorgen für größere Pflanzenvielfalt
  5. Der Wasserhaushalt wird durch die dichtere Bepflanzung besser reguliert

Wie funktioniert Mischkultur?

Jede Pflanze hat unterschiedliche Eigenschaften & Bedürfnisse. Baust du eine Pflanze ihren Bedürfnissen entsprechend an und nutzt ihre Eigenschaften bestmöglich aus, dann ziehst du die meisten Vorteile daraus. Das können etwa ätherische Öle, Geruch & Schädlingsbekämpfung oder Wachstum, Windschutz & Beschattung und vieles mehr sein.

Mit Mischkulturen können mehrere Ziele erreicht werden. Ein Ziel einer Mischkultur kann es sein, die Nährstoffentnahme aus dem Boden mittels geeigneter Nachbarpflanzen auszugleichen und bestenfalls auch noch (wechselseitig) Schädlinge fernzuhalten. Daneben kann es ein Wind- oder Sonnenschutz sein, der zum Wohle des Pflanznachbarn beiträgt. Ganz besonders interessant sind auch die geschmacksintensivierenden Eigenschaften manchen Beetpartner. Außerdem kann der Anbau in Mischkultur vor allem im Hobby-Garten und für Balkongärtner große Vielfalt auf kleinem Raum bieten und damit zur Platzoptimierung führen.

Beim Anbau von Mischkulturen solltest du beachten, dass die Pflanzen über und unter der Erde nicht in Bedrängnis kommt. Es soll ein ausgewogenes, natürliches Verhältnis zwischen Pflanznachbarn, wie beispielsweise verschiedenen Gemüsesorten und Kräutern, entstehen.

Wann können die Pflanzen gesetzt werden?

Die Nachbarpflanzen können gleichzeitig, vor oder nach der Hauptpflanze wachsen. Man spricht von Vor-, Haupt- und Nachkultur.

Am Beispiel Tomate

In unserem Fall stellt die Tomate die Hauptkultur dar. Diese wächst am längsten im Beet.

Ab März

Vorher können zum Beispiel Salate als Vorkulturen ab März gesetzt werden, welche zum Zeitpunkt der Pflanzung der Hauptkultur Mitte Ende Mai bereits abgeerntet sind.

Mitte/Ende Mai nach den Eisheiligen

Zeitgleich oder sogar nach der Pflanzung unserer Tomate können Zwischenkulturen wie Radieschen, Kresse oder Salate gesät werden.

Ab Juli

Rote San Marzano Tomate an der Rispe

Kurz vor der Tomatenernte ab Juli können noch Nachkulturen geplanzt werden. Diese können anschließend auch zur Hauptkultur werden. Dabei ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Hauptkultur von den Vor-, Zwischen-, und Nebenkulturen nie behindert werden darf.

Tipp aus dem Flaura-Garten für Mischkulturen: 
Erstelle dir zu Beginn des Gartenjahres einen Plan, mit allen Gemüsesorten und Pflanzen, die du in diesem Jahr in deinem Garten anbauen willst. 

Verschaffe dir im Anschluss einen Überblick, welche Pflanzen gut miteinander harmonieren. Dadurch steigerst du deinen Ertrag und die Geschmacksintensität deiner Früchte!

Die 11 wirksamsten Mischkulturen

1. Erdbeeren und Knoblauch

Erdbeeren und Knoblauch passen im Beet zusammmen

Klingt nach einer komischen Kombination und würde auf manchem Teller für ein Naserümpfen sorgen, aber hat im Garten durchaus seine Vorteile. Einerseits soll diese Verbindung dazu führen, dass der intensive Knoblauch die Schnecken von den leckeren Erdbeeren fern hält und andererseits sollen die Beeren in der Nähe von Knoblauch ein intensiveres Aroma ausbilden können.

Daneben machen sich die Pflanzen im Beet überhaupt keinen Platz streitig. Schließlich wächst der Knoblauch unter der Erde und streckt oberirdisch nur eine Stängel gerade in die Luft. Der Rest des Platzes an der Luft, kann die Erdbeere also getrost für sich beanspruchen.

2. Tomate und Basilikum

Junge Tomaten-Pflänzchen als Nachbar zu jungen Basilikum-Pflänzchen

Nicht nur am Teller passen die beiden perfekt zusammen, nein auch im Beet können sie sich gut leiden. Das klassische Aroma, das wir am Basilikum so zu schätzen wissen, hat es insbesondere seinen ätherischen Ölen zu verdanken. Diese duften wiederum so stark, dass sie die Feinde der Tomaten fern halten.

Was die Tomate sonst von Mischkultur-Partnern hält und was gute Nachbarschaft bringt sind erfährst du in unserem eigenen Beitrag zu diesem Thema.

3. Chili und Basilikum

Chili in Mischkultur mit violetten Basilikum, welches wunderschön blüht

Forscher haben herausgefunden, dass die beiden sich besonders gerne in ihrer Nähe haben und viel zu bequatschen haben. Die Pflanzen sollen nämlich durch Schwingungen miteinander kommunizieren. Die Chili wird dadruch sehr stark im Wachstum gefördert und die ätherischen Öle des Basilikums sowie auch die Schärfe der Chili halten sich Feinde vom Leib.

4. Zwiebel und Karotte/Möhre

Radieschen, Karotten, Zwiebel in der Erde
Eiszapfen-Radischen, Karotten und Zwiebel (von oben nach unten) als Beetnachbarn

Der Klassiker unter den Mischkulturen. Alt bewährt aber dennoch so effektiv wie eh und je. Die Möhre hält mit ihren Aromen die Zwiebelfliege fern und gegen die Möhrenfliege und deren Maden helfen die scharfen Senföle der Zwiebel. Die Beet-Kumpel sind also gegenseitig in der Schädlingsbekämpfung für sich da.

5. Gurke und Dill

Gurkenblätter und Dill
Gurke und Dill – eine tolle Nachbarschaft

Was auch am Teller gut zusammenpasst, kann auch im Beet gut zusammenpassen. Das Paradebeispiel ist Gurke und Dill. Die beiden vertragen sich prima. Der Dill fördert obendrein die Keimfähigkeit von Gurkengewächsen. Diese Kombi kann sich also sehen lassen.

6. Kürbisgewächse und Kapuzinerkresse

Die Senföle der Kapuzinerkresse geben ihr ihren scharfen Geschmack. Das soll auch die Schnecken davon abhalten die Kürbisgewächse anzuknabbern. Kürbis, Zucchini und co stehen schließlich nicht nur auf unserer Speisekarte, wie du bestimmt weißt.

7. Rankende Planzen und Salat

Rankende Pflanze, wie die Mexikanische Minigurke oder die ausladend wachsende Physalis stören sich nicht an einer Salatpflanze zu ihren Füßen und beschatten dabei den Salat

Rankende Pflanzen, wie etwa verschiedene Gurkenpflanzen, können dafür sorgen, dass andere Pflanzen beschattet oder vor Wind geschützt werden. Eine Beschattung kann vor allem in den heißesten Monaten des Jahres helfen, dass der Salat nicht schießt, also nicht da Bedürfnis hat in Blüte zu gehen. Dann wird der Salat nämlich bitter und ungenießbar.

8. Lavendel und Kartoffel

Lavendel und Kartoffel? Was klingt nach einer etwas komischen Kombination ist eine prima Mischkultur. Die frohen Beetgenossen sind nämlich super Nachbarn. Nicht nur dass der Lavendel mit seinem unwiderstehlichen Duft Freunde wie Bienen und Schmetterlinge anlockt, sondern auch Feinde fern hält. Dem nicht genug soll er auch noch den Geschmack der Kartoffel positiv beeinflussen.

9. Sellerie, Lauch und Kohl

Dieses Dreiergespann funktioniert super. Der größte Feind des Kohls, der Kohlweißling ist ein weißer (schöner) Schmetterling, der seine Raupeneier gern auf Kohlgewächsen absetzt. Die Raupen wiederum fressen sich in großer Zahl an deinem Kohl satt und machen ihn kaputt. Der Feind des Lauchs ist die Lauchfliege. Das intensive Aroma und der würzige Duft des Selleries soll die Fressfeinde und Schädlinge fern halten. Auch die Lauch- und Kohlaromen sollen ihren Beitrag leisten.

Tipp aus dem Flaura-Garten: Ganz sicher gehen, dass deine Pflanzen prächtig gedeihen, kannst du bei den starken Feinden dieser Pflanzen aber nur, indem du zusätzlich Pflanzen-Schutznetze verwendest.

10. Ringelblume im Gemüsebeet

Die schöne Blume lockt nicht nur fleißige Nützlinge an, sondern ist auch eine Heilpflanze, die zu Salben, Tees und Gelees verarbeitet werden kann. Im Beet verbessert sie den Boden und vertreibt wirksam Schädlinge im Boden.

11. Tagetes im Gemüsebeet

Die Tagetes oder auch Studentenblume genannt bringt Farbe ins Gemüsebeet. Sie ist aber nicht nur schön anzusehen, sonder lockert den Boden, vertreibt wirksam Nematoden und Fadenwürmer und lockt bestäubende Insekten an.

Übersicht – Top 4 Mischkulturen von Blumen & Gemüsepflanzen

Nicht nur die Mischkultur mit anderen Gemüsepflanzen und Kräutern ist erstrebenswert, sondern auch mit Blumen & Blüten. Zu den Paradebeispielen in Punkto guter Nachbarschaft mit Blumen zählen:

Gute Nachbarn:Wirkung:
Kapuzinerkresse und ZucchiniSchärfe schützt vor Fressfeinden
Lavendel zu KartoffelnIntensiviert den Geschmack der Knolle
Ringelblume im GemüsebeetSie lockert den Boden, vertreibt wirksam Nematoden und Fadenwürmer und lockt bestäubende Insekten an
Tagetes im GemüsebeetVerbessert den Boden, vertreibt wirksam Nematoden und Fadenwürmer und lockt bestäubende Insekten an

Fazit

Wie du siehst haben Mischkulturen zahlreiche Vorteile. Diese reichen von Geschmacksintensivierung, über Schädlingsbekämpfung bis hin zur Platzoptimierung. Dein Gemüse schmeckt also am Ende nicht nur besser, sondern du hast auch mehr Ernte bei weniger Aufwand. Hui, das klingt doch vielversprechend… Einen Versuch wert, oder?

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